Aus den Fehlern anderer lernen (Teil 2)
Europa startet seinen ersten ATV-Versorgungstransporter „Jules Verne“ zur ISS
Europas bisher größtes und komplexestes Raumfahrzeug
Am Ende seiner viermonatigen Mission als Raumstationsmodul wird Jules Verne mit Stationsabfall beladen von der ISS abgekoppelt, über dem Südpazifik aus seiner seiner Umlaufbahn gelenkt und kontrolliert in der Erdatmosphäre verglühen. [ESA - 09.03.2008]
Ein weiteres mal zeigt die ESA, dass sie lernt - und zwar erneut aus den Fehlern der Amis. Expeditionen ins Weltall sind nicht nur sehr kostspielig sondern auch extrem spektakulär - vor allem wenn sie scheitern. Die NASA kann ein Lied davon singen. So haben die Probleme der NASA mit dem Hitzeschild der amerikanischen Space-Shuttles nicht nur das Weltraumprogramm der USA sondern das gesamte internationale Weltraumprogramm um Jahre verzögert.
Ursache hierfür war das Auseinanderbrechen des Shuttels Columbia beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre im Jahr 2003 (Mission STS-107). NASA-Angaben zufolge war der Hitzeschild des Shuttles bereits beim Start von der Erde beschädigt worden. Dadurch konnte das Shuttle der entstehenden Hitze beim Wiedereintritt nicht widerstehen und wurde zerstört.
Nun steht der Start eines ehrgeizigen europäischen Weltraumprojektes vor seinem ersten Einsatz: das "ATV" - Automated Transfer Vehicle ist ein unbemannter Raumtransporter der von Astrium in Bremen gebaut wurde und der nach dem Start mit einer modifizierten Ariane V-Rakete automatisiert die ISS anfliegen und an ihr andocken soll. Es transportiert verschiedene Güter zur bemannten Raumstation.
Nachdem das ATV diesen Teil des Auftrags erfüllt hat dient es als Müllbehälter, bevor es wieder von der ISS abdocken und sich scheinbar auf den Rückweg machen soll.
Der weitere Missionsplan klingt, als hätte man ihn nach der Analyse all der leidvollen amerikanischen Shuttle-Probleme entwickelt: Die Kapsel soll in die Erdatmosphäre eintreten und dort...VERGLÜHEN!
Genial. Somit definiert die ESA erneut (nach "Man muss sich nur die richtigen Ziele setzen...") das, was man als Laie als Fehlschlag ansehen würde, als ZIEL ihrer Mission.
Auf diese Weise wird eine große Gefahrenquelle ausgeschlossen und ein Scheitern der Mission weit unwahrscheinlicher. Den sehr engen Korridor für den Wiedereintritt zu treffen, der eine unbeschadete Rückkehr zur Erde ermöglichen würde, ist natürlich sehr viel problematischer als diesen eben NICHT zu treffen. Diese ESA-Mission würde also scheitern, wenn die Kapsel - wider erwartend - doch zur Erdoberfläche zurückkommt. Ich drücke die Daumen.
cmos.


