2007-03-24

Gesetze zu wörtlich genommen?

Im Technology-Podcast von BBC habe ich eine sehr interessante Reportage über das Sabbat-Verhalten von ultra-ortodoxen Juden in Jerusalem (und natürlich auch weltweit) gehört. Diesen Menschen ist es nach dem Glauben verboten, am Sabbath Arbeit zu verrichten. Die Definition von ARBEIT wird allerdings irrational wörtlich ausgelegt. Es schließt das Betätigen eines (Licht-)Schalters genauso ein, wie das Telefonieren (sogar das Abreißen von Toilettenpapier). Das alleine ist ja für mich schon schwierig nachvollziehbar. Nun gibt es in Israel bzw. dem Judentum aber auch Bestrebungen, sich einige Annehmlichkeiten der modernen Welt auch am Sabbat und ohne gegen die religösen Regeln zu verstoßen, zu Gute kommen zu lassen.
So wurde am "Institute for science and halacha" ein Telefon entwickelt, dass in einem geschlossen Stromkreis arbeitet und somit keinen Stromkreis "schließen" oder "öffnet" um eine Verbindung herzustellen. Einer altertümlichen Definition zufolge wäre das sonst ARBEITEN. Und dies wiederum würde die Regeln des Sabbats verletzten. Das System wird bisher nur für Notfälle eingesetzt.
Auch Sabbat-Aufzüge gehören zum Programm: Da die Gläubigen am Sabbat keine Knöpfe drücken dürfen, hält der Sabbat Aufzug einfach auf jedem Stockwerk, fährt also in einer Art Automatikbetrieb.

Das ganze klingt im Ansatz nach einem Aprilscherz. Hier stehen also strenge und offensichtlich streng definierte Regeln auf der einen Seite und Menschen die sich nicht so richtig daran halten wollen auf der anderen. Solch eine Situation tritt offenbar besonders gerne bei religösen Sachverhalten auf. Nun wird einerseits versucht die Regeln des Sabbats zu umgehen ohne sie, andererseits, zu verletzen. Dabei sollte man sich doch viel eher Gedanken machen, inwieweit die Regeln das bewirken, wofür sie gedacht sind bzw. formuliert wurden.
Wenn es darum geht, dass der Mensch, dieser Religion folgend, am Sabbat nicht arbeiten soll und darf, muss man das dann nicht einfach akzeptieren? Warum wird aber dann das Betätigen eines Lichschalters als Verrichten von Arbeit angesehen? Wurden vielleicht diese Regeln nicht an die aktuelle Situation angepasst? Das Problem liegt wohl viel tiefer, ist aber, wie so oft, scheinbar nicht verhandelbar. Ähnliche Probleme treten auch gerne im Umgang mit Gesetzen, Geboten und Vorstellungen bspw. der Katholischen Kirche auf.
In vielen Fällen wäre eine intelligente Interpretation der Regeln sehr viel wirkungsvoller, angebrachter und vor allem glaubwürdiger, als das unbedingte einhalten fragwürdiger Gesetze. Aber gerade wenn GLAUBEN im Spiel ist, scheint das sehr schwierig zu sein.

cmos.

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