2008-05-13

Bahndurchsagen auf Englisch

Kürzlich bin ich mit dem französischen Schnellzug Thalys von Aachen nach Köln gefahren. Die Möglichkeit ergibt sich mir nicht allzu oft, da ich in der Regel in Köln umsteigen muss um weiter in den Süden zu reisen und der Thalis für meine Streckenwahl meist keine naheliegenden Anschlusszüge bedient. Daher komme ich in diesen Genuss fast ausschließlich, wenn entweder Thalis oder mein präferierter RegionalExpress verspätet sind.

Im Thalis werden - aufgrund der Intenationalität der Streckenführung - Ansagen durch das Zugpersonal nicht zwei- oder drei- , sondern gleich fünfsprachig angeboten. Der Route folgend also Französisch, Flämisch (?), Holländisch, Deutsch und stellvertretend für alle anderen Nationalitäten Englisch. Das ist einerseits eine lustige Überraschung, zumal im Thalis auch Ansagen gemacht werden die man als DB-Stammkunde nicht gewohnt ist: „Das Bordrestaurant schließt in Kürze“ zum Beispiel (ungefähr auf der Höhe von Düren nämlich). Andererseits hat der Service aber eine nervige Seite: Sobald man sich an die neuen Eindrücke gewöhnt und sich am engen Interieur satt gesehen hat, fällt nämlich auf, dass durch die Vielsprachigkeit und die verhältnismäßig kurze Fahrt von einer knappen halben Stunde bis zum Endbahnhof, quasi ununterbrochen gesprochen wird.

Diese Vielsprachigkeit gibt es aber nicht nur bei der französischen Bahn, sondern auch im „Gegenverkehr“ der DB.

Auch diese Verbindung mit dem "ICE International" von Frankfurt über Köln und Aachen nach Brüssel passt nur selten in meinen Reiseplan. Bei einer der seltenen Fahrten in diesem ICE in Kombination mit einem Triebswagenschaden (Einen Triebwerksschaden kann es beim betroffenen ICE 3 streng genommen gar nicht geben, aber dazu ein anderes Mal..) entstanden kürzlich größerer Unannehmlichkeiten für alle Reisende.

Der Zug konnte seine Fahrt nur bis Aachen durchführen (was für mich völlig ausreichend war, danke.) und die Reise sollte für alle Weiterreisenden von Aachen aus mit Bussen erfolgen.

Diesen Sachverhalt den Passagieren fünfsprachig mitzuteilen führte zur allgemeinen Belustigung der Fahrgäste, die etwas von dem unangenehmen Umstand ablenkte, dass man sein Ziel mit erheblicher Verspätung erreichen würde.

Aber nun zu meinem eigentlichen Punkt, der Sprachkompetenz der Bahn: Es werden also gerne die Sprachen der Länder auf der Route angeboten - und natürlich Englisch, soweit ganz nachvollziehbar.

Nun scheint es aber problematisch zu sein, entsprechend sprachlich geschultes Personal zu akquirieren. Jedenfalls ist das On-Board-Servicepersonal den DB-Servicesprachen nicht immer mächtig ist. Für Inlandsfahrten sind dies ja lediglich Deutsch (überwiegend problemlos) und Englisch (gerne durch deutschen Lokal-Dialekt gefärbt).
Bei einer Bahnfahrt ohne jeglichen Zwischenfall ist das eher unauffällig, da die Standarddurchsagen überwiegend abgelesen werden können, allerdings gerne mit skurriler Betonung. Aber wie oft kommt das schon vor? Bei jeder zusätzlichen Ansage, auf Grund von Verspätungen oder bezüglich verpasster oder verspäteter Anschlusszüge, wird diese Information häufig einfach nicht auf Englisch weitergegeben, scheinbar auf Grund fehlender Sprachkompetenz fällt sie dann schlicht und einfach unter den Tisch.
Und das sollte doch nicht die Lösung für das Sprachproblem sein- Denn gerade „Unregelmäßigkeiten im Betriebsablauf“ (Bahn-Sprech!) sind ja für den Reisenden wichtig, und besonders für den, der der deutschen Sprache nicht mächtig ist.

In diesem Fall spiegelt die Durchsage der englischen Standartfloskeln durch die DB vor, man informiere Reisende auch auf Englisch, dabei tut man in Wirklichkeit das Gegenteil. Ganz ohne englische Ansage wäre ein nicht-deutschsprachiger Passagier ja in jedem Fall gezwungen sich an gegebener Stelle zu informieren. Durch die englischen Ansagen muss er aber den Eindruck gewinnen, er würde informiert, obwohl das nicht der Fall ist.
Lediglich der Unterschied in der Dauer der Ansagen können ihn vermuten lassen, dass es zu Unregelmässigkeiten kommt (Deutsche Ansage 90 Sekunden, Englische Ansage: „Thank you for travelling…“, 10 Sekunden).

Abhilfe ist ja auf unterschiedlichen Wegen denkbar: Ansagen vom Band (so abwechslungsreich sind auch die deutschen Ausreden nicht), Ansage übers Telefon von sprachkompetenter Fachkraft aus einer Bahn-Zentrale, Englisch ganz ausfallen lassen, wenn man Sondermeldungen nicht bedienen kann.

Die Standardfloskeln helfen ja ohnehin nicht weiter.. Thank you for travelling with Deutsche Bahn."


cmos.